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Lohnfertigung: Vorteile, Nachteile und wann sie sich lohnt

Was Lohnfertigung ist, was eine Stunde Fräsen kostet und ab welcher Auslastung die eigene Maschine günstiger ist: Einordnung für Fertigungs-KMU.

GoMaschine Team9 Min. Lesezeit
In diesem Artikel9
  1. Was ist Lohnfertigung?
  2. Was kostet eine Stunde Fräsen?
  3. Hat CNC Zukunft?
  4. Was ist die Abkürzung CNC?
  5. Was ist der Unterschied zwischen CNC und NC?
  6. Ist CNC programmieren schwer?
  7. Was versteht man unter Lohnfertigung?
  8. Häufig gestellte Fragen
  9. Quellen
Nahaufnahme eines rotierenden Fräskopfes, der Aluminiumteile in einem industriellen Bearbeitungszentrum zerspant, stellvertretend für präzise Lohnfertigung.
Nahaufnahme eines rotierenden Fräskopfes, der Aluminiumteile in einem industriellen Bearbeitungszentrum zerspant, stellvertretend für präzise Lohnfertigung.

Lohnfertigung ist die Fertigung von Teilen oder Arbeitsgängen durch einen externen Betrieb nach den Vorgaben des Auftraggebers, abgerechnet pro Stück oder pro Stunde. Für Geschäftsführer von Fertigungs-KMU ist sie vor allem eine Make-or-buy-Frage: Rechnet sich die eigene Maschine bei der Auslastung, die Sie realistisch erreichen? Dieser Artikel ordnet Begriff, Vor- und Nachteile, Stundensätze und die CNC-Grundlagen ein, die für ein Gespräch mit einem Lohnfertiger nötig sind. Alle Angaben geben den Stand vom 23. Oktober 2026 wieder; wie GoMaschine Quellen auswählt und prüft, beschreibt die Methodik der Redaktion.

Was ist Lohnfertigung?

Lohnfertigung bedeutet, dass ein Unternehmen einen Teil seiner Produktion oder den gesamten Fertigungsprozess an einen Subunternehmer vergibt. Die amtliche Klassifikation der Wirtschaftszweige des Statistischen Bundesamts nennt solche Tätigkeiten "im Lohnauftrag". Der Auftraggeber stellt dabei die technischen Spezifikationen für die Arbeiten an den Werkstücken bereit; die Werkstücke oder Materialien können von ihm kommen oder nicht.[1]

Der Auftraggeber übergibt technische Spezifikationen wie Zeichnung, Toleranzen, Werkstoff und Stückzahl an den Lohnfertiger; das Material wird beigestellt oder vom Lohnfertiger beschafft. Der Lohnfertiger bringt Maschinen, Personal und Fertigungs-Know-how ein und liefert fertige Teile, abgerechnet pro Stück oder Stunde.
Arbeitsteilung bei Lohnfertigung: Die Vorgaben kommen vom Auftraggeber, Maschinen, Personal und Fertigungs-Know-how vom Lohnfertiger, nach der Wirtschaftszweig-Klassifikation des Statistischen Bundesamts.

In der Metallbearbeitung ist das der Normalfall. Die Wirtschaftszweig-Klasse "Mechanik a. n. g." umfasst laut Destatis Bohren, Drehen, Fräsen, Erodieren, Schleifen, Schweißen und das Schneiden von Metall per Laser. Die übergeordnete Gruppe beschreibt diese Metallbearbeitung als Tätigkeiten, die üblicherweise im Lohnauftrag ausgeführt werden.[1] Im Maschinenbau betrifft Lohnfertigung deshalb häufig Dreh- und Frästeile, Blechteile und Schweißbaugruppen, die ein Hersteller nicht selbst fertigt.

Vorteile und Nachteile der Lohnfertigung

Die Vorteile der Lohnfertigung liegen bei Investition und Kapazität, die Nachteile bei Qualität, Lieferzeit und Abhängigkeit. Das Einkäuferlexikon des Softwareanbieters Tacto nennt als Vorteile den Wegfall von Investitionen in eigene Anlagen und die Anpassung der Kapazität an die Auftragslage. Als Risiken führt es Qualitätsmängel und Lieferverzug beim Lohnfertiger, Abhängigkeit und den Verlust eigener Fertigungskompetenz auf.[2] Die Tabelle ordnet diese Punkte nach den Zielkonflikten, die ein Fertigungsbetrieb abwägen muss.

KriteriumVorteil der LohnfertigungNachteil der Lohnfertigung
InvestitionKeine Maschine, kein Stellplatz, keine FinanzierungStückpreis enthält Marge und Gemeinkosten des Lohnfertigers
KapazitätSpitzen und Sonderverfahren abdeckbarLieferzeit hängt von der Auslastung des Lieferanten ab
QualitätZugriff auf Verfahren und Messtechnik, die intern fehlenPrüfung und Freigabe müssen vertraglich geregelt und kontrolliert werden
Know-howKonzentration auf Konstruktion und MontageZeichnungen und Prozesswissen verlassen das Haus; eigene Kompetenz schwindet
FlexibilitätKein Personal für schwankende MengenWechsel des Lieferanten kostet Erstmusterung und Zeit

Viele Nachteile lassen sich mit einem zweiten qualifizierten Lieferanten abfedern; wie das im Einkauf funktioniert, erklärt der Beitrag zu Dual Sourcing.

Was kostet eine Stunde Fräsen?

Eine Stunde CNC-Fräsen kostet bei einem Lohnfertiger in Deutschland nach Richtwerten des Ratgebers von Clean Invoice 70 bis 120 Euro auf einer 3-Achs-Maschine und 100 bis 160 Euro auf einer 5-Achs-Maschine. Für CNC-Drehen nennt derselbe Ratgeber (Stand Februar 2026) 60 bis 120 Euro pro Stunde. Er gibt regionale Abweichungen von rund 20 Prozent nach oben und unten an, legt aber keine Datenbasis für die Werte offen.[3] Behandeln Sie die Spannen deshalb als Orientierung für ein Angebot, nicht als Marktpreis.

Ihr eigener Vergleichswert ist der Maschinenstundensatz. Er teilt die maschinenabhängigen Kosten durch die Laufstunden; dazu zählen Abschreibung, kalkulatorische Zinsen auf das halbe gebundene Kapital, Raum-, Energie- und Instandhaltungskosten.[4] Für stationäre Fräsmaschinen setzt die AfA-Tabelle des Bundesfinanzministeriums eine betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer von 15 Jahren an, für Drehbänke 16 Jahre.[5]

Rechenbeispiel (eigene Rechnung, alle Werte angenommen): Eine 3-Achs-Fräsmaschine kostet 180.000 Euro, wird über 15 Jahre abgeschrieben und mit 5 Prozent Zins kalkuliert. Sie belegt 20 Quadratmeter zu 8 Euro im Monat und verursacht 4.000 Euro Instandhaltung im Jahr. Sie nimmt 10 Kilowatt zu 0,20 Euro je Kilowattstunde auf, der Bediener kostet 45 Euro pro Stunde.

Position1.000 Laufstunden/Jahr3.000 Laufstunden/Jahr
Abschreibung (12.000 €/Jahr)12,00 €/h4,00 €/h
Zinsen (4.500 €/Jahr)4,50 €/h1,50 €/h
Raum (1.920 €/Jahr)1,92 €/h0,64 €/h
Instandhaltung (4.000 €/Jahr)4,00 €/h1,33 €/h
Energie2,00 €/h2,00 €/h
Bediener45,00 €/h45,00 €/h
Summe69,42 €/h54,47 €/h

Die Rechnung zeigt den Hebel, nicht das Ergebnis für Ihren Betrieb. Bei 1.000 Stunden im Jahr liegt die eigene Maschine bereits am unteren Rand der Lohnfertiger-Spanne, und darin fehlen noch Programmierung, Werkzeuge, Vorrichtungen, Messmittel, Ausschuss und Gemeinkosten. Bei 3.000 Stunden, also annähernd zwei Schichten, verteilt sich derselbe Fixkostenblock auf dreimal so viele Stunden. Erst wenn Sie Ihre eigenen Angebote und Kosten einsetzen, wird sichtbar, welcher Weg günstiger ist.

Liniendiagramm: Der Stundensatz einer eigenen 3-Achs-Fräsmaschine inklusive Bediener sinkt in der Beispielrechnung von 91,84 Euro bei 500 auf 54,47 Euro bei 3.000 Laufstunden im Jahr und fällt bei rund 975 Laufstunden unter den Lohnfertiger-Richtwert von 70 bis 120 Euro pro Stunde.
Eigene Beispielrechnung: Unterhalb von rund 1.000 Laufstunden im Jahr liegt der Stundensatz der eigenen Maschine innerhalb der Lohnfertiger-Spanne, obwohl Programmierung, Werkzeuge, Prüfung und Gemeinkosten noch fehlen.

Hat CNC Zukunft?

CNC hat als Standardverfahren der Zerspanung Zukunft. Die Branche, die die Maschinen baut, steckt aber in einer schwierigen Phase. Der Verein Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken (VDW) meldete im Januar 2026 für 2025 einen Produktionsrückgang von 8 Prozent und erwartet für 2026 ein Plus von 1 Prozent auf 13,7 Milliarden Euro.[6] Zum Rekordjahr 2018 fehlt laut VDW ein Fünftel, preisbereinigt 35 Prozent.

Dazu kommt Wettbewerb aus China: Laut VDW steigerten chinesische Hersteller ihre Werkzeugmaschinenausfuhren um 18 Prozent, und die deutschen Hersteller gaben die internationale Führungsposition im Export an China ab.[6] Die Zahl der Beschäftigten in Betrieben mit mehr als 50 Mitarbeitenden sank bis Oktober 2025 um 3,9 Prozent auf 63.300.

Für die Make-or-buy-Frage folgt daraus keine Prognose für Stundensätze. Redaktionell eingeordnet heißt eine schwache Investitionslage aber, dass Lohnfertiger um Auslastung konkurrieren und Angebote sich vergleichen lassen; prüfen Sie Preise deshalb mit mindestens zwei Anfragen.

Was ist die Abkürzung CNC?

CNC steht für Computerized Numerical Control, auf Deutsch rechnergestützte numerische Steuerung. Dassault Systèmes schreibt in seinem Fertigungsratgeber "Computer Numerically Controlled".[7] Gemeint ist eine Werkzeugmaschine, deren Bewegungen ein Rechner aus einem Programm ableitet, statt dass ein Bediener sie von Hand führt. In Angeboten von Lohnfertigern taucht die Abkürzung meist als Verfahrensangabe auf, etwa "CNC-Fräsen" oder "CNC-Drehen", häufig ergänzt um die Achszahl.

Was ist der Unterschied zwischen CNC und NC?

NC ist die ältere numerische Steuerung, die ihre Anweisungen von einem Datenträger wie Lochstreifen einlas. Bei CNC verarbeitet ein Rechner in der Steuerung das Programm, das sich an der Maschine speichern und ändern lässt. Die ersten NC-Fräsmaschinen entstanden ab 1949 aus einer Zusammenarbeit der Parsons Corporation mit dem Massachusetts Institute of Technology. Sie erhielten ihre Anweisungen über perforierte Papierstreifen; ab 1960 übertrug die direkte numerische Steuerung Programme vom Computer an die Maschine.[7]

Das Programmformat ist geblieben. Ein Programm nach DIN 66025 besteht aus einzelnen Sätzen mit Satznummer, so beschreibt es etwa die Dokumentation der Steuerungssoftware CODESYS. Darin stehen Wegbefehle wie G1 für eine Gerade oder G2 für einen Kreisbogen.[8] Deshalb sprechen Werkstätten bis heute vom "NC-Programm", obwohl die Maschine eine CNC-Steuerung hat. Für die Zusammenarbeit mit einem Lohnfertiger zählt weniger die Bezeichnung als die Frage, in welchem Format Sie Zeichnungen und 3D-Daten übergeben.

Ist CNC programmieren schwer?

CNC-Programmieren ist erlernbar, professionell beherrscht es aber nur, wer auch die Zerspanung versteht. Die Ausbildung zum Zerspanungsmechaniker dauert laut IHK Rostock dreieinhalb Jahre; zum Berufsbild gehören das Programmieren CNC-gesteuerter Werkzeugmaschinen und das Einrichten von Maschinen und Fertigungssystemen.[9]

Die eigentliche Schwierigkeit liegt selten in den Befehlen. Sie liegt in Spannkonzept, Werkzeugwahl, Schnittwerten und der Prüfung des ersten Teils. Für die Make-or-buy-Entscheidung ist das ein Kostenpunkt, der in keinem Maschinenangebot steht: Wer eine eigene Maschine kauft, braucht Fachkräfte, die programmieren, einrichten und vertreten können. Ein Lohnfertiger bringt dieses Personal mit und berechnet es im Stundensatz.

Was versteht man unter Lohnfertigung?

Unter Lohnfertigung versteht man im Betrieb meist einen von mehreren verwandten Begriffen, die sich vor allem darin unterscheiden, wem das Material gehört und wie dauerhaft die Zusammenarbeit ist. Die amtliche Klassifikation macht die Eigentumsfrage sogar zum Kriterium. Wer den gesamten Fertigungsprozess auslagert, zählt nur dann zum Verarbeitenden Gewerbe, wenn ihm die eingesetzten Materialien und damit das Ergebnis gehören.[1]

BegriffTypische Bedeutung in der PraxisWem gehört das Material
LohnfertigungExterne Fertigung von Teilen nach Ihrer ZeichnungJe nach Vertrag Ihnen oder dem Lohnfertiger
LohnbearbeitungBearbeitung beigestellter Teile, etwa Fräsen eines GussrohlingsIhnen
AuftragsfertigungFertigung erst nach Kundenauftrag statt auf LagerDem Hersteller
Verlängerte WerkbankDauerhafte Einbindung eines Lieferanten in Ihre FertigungsplanungJe nach Vertrag
OutsourcingAuslagerung ganzer Geschäftsprozesse, nicht nur einzelner TeileJe nach Vertrag

Wann sich Lohnfertigung lohnt

Lohnfertigung lohnt sich meist, wenn mindestens zwei dieser Bedingungen zutreffen:

  • Die Auslastung einer eigenen Maschine bliebe dauerhaft niedrig oder schwankt stark.
  • Das Verfahren fehlt im Haus, etwa 5-Achs-Fräsen, Erodieren oder Härten.
  • Die Mengen kommen als Spitzen, die Ihre Stammbelegschaft nicht abdecken kann.
  • Die Teile enthalten kein Prozesswissen, das Ihren Wettbewerbsvorteil ausmacht.

Gegen Lohnfertigung spricht, wenn die Maschine planbar über eine Schicht hinaus ausgelastet wäre, wenn kurze Reaktionszeiten zählen oder wenn das Teil Ihr Kern-Know-how trägt. Anbieterauswahl, Angebotsvergleich und Vertragsfragen wie Qualität, Haftung und Werkzeugeigentum sind eigene Themen der Rubrik Beschaffung.

Alternative: eine gebrauchte CNC-Maschine

Wer selbst fertigen will, aber die Investition scheut, prüft oft eine gebrauchte CNC-Maschine. Ihr Vorteil ist der niedrigere Preis und meist eine kürzere Lieferzeit; ihre Nachteile sind unbekannter Verschleiß an Führungen und Spindel, eine möglicherweise abgekündigte Steuerung und kaum Gewährleistung. Worauf Sie bei Achszahl, Genauigkeit und Service achten sollten, zeigt der Ratgeber zum Kauf einer CNC-Fräsmaschine für Metall. Ob sich eine ältere Maschine mit neuer Steuerung weiter nutzen lässt, behandelt der Beitrag zum Maschinen-Retrofit, und ob Kauf oder Leasing günstiger ist, der Vergleich Maschine leasen oder kaufen.

Entscheiden Sie mit Zahlen statt mit Gefühl. Holen Sie zwei Angebote von Lohnfertigern für ein typisches Teil ein und rechnen Sie Ihren eigenen Maschinenstundensatz mit der Auslastung, die Sie wirklich erwarten. Vergleichen Sie beide Werte inklusive Programmierung und Prüfung. Weitere Einordnungen zu Fertigung, Beschaffung und Automatisierung finden Sie im Ressort Industrie auf GoMaschine.

Häufig gestellte Fragen

Wer stellt bei Lohnfertigung das Material?

Das regelt der Vertrag. Bei Lohnbearbeitung stellen Sie die Rohteile bei, bei Lohnfertigung im weiteren Sinn kann auch der Lohnfertiger das Material beschaffen und im Stückpreis berechnen.

Wird Lohnfertigung pro Stück oder pro Stunde abgerechnet?

Beides ist üblich. Einzelteile und Prototypen werden oft nach Maschinenstunden kalkuliert, Serienteile meist als Stückpreis, in den Rüstzeit, Material und Prüfung eingerechnet sind.

Ab welcher Auslastung lohnt sich eine eigene CNC-Maschine?

Eine feste Grenze gibt es nicht. Je mehr Stunden die Maschine im Jahr läuft, desto niedriger ist ihr Stundensatz; rechnen Sie Ihren Wert mit realistischer Auslastung und vergleichen Sie ihn mit konkreten Angeboten.

Was sollten Sie einem Lohnfertiger für ein Angebot schicken?

Eine bemaßte Zeichnung mit Toleranzen und Werkstoff, wenn vorhanden ein 3D-Modell, die Stückzahl pro Abruf und pro Jahr sowie Ihre Anforderungen an Oberflächen, Prüfung und Dokumentation.

Ist Lohnfertigung dasselbe wie Outsourcing?

Nein. Lohnfertigung vergibt einzelne Teile oder Arbeitsgänge nach Ihren Vorgaben, Outsourcing lagert ganze Geschäftsprozesse aus, etwa die komplette Fertigung samt Planung und Einkauf.

Quellen

  1. destatis.de
  2. tacto.ai
  3. clean-invoice.com
  4. lexware.de
  5. ihk-muenchen.de
  6. vdw.de
  7. 3ds.com
  8. content.helpme-codesys.com
  9. ihk.de